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Der richtige Hufschutz und viele falsche Behauptungen

Liebe Pferdebesitzer, durch die Domestizierung der Pferde hat der Mensch diese Tiere aus ihrem natürlichen Gleichgewicht geworfen. Kranke und auch lahme Pferde werden heute nicht mehr von  Löwen oder den Wölfen aussortiert. Im Gegenteil, oft werden kranke Pferde noch zu der Zucht ausgebeutet. Bei Lahmheiten zeigt sich das besonders deutlich. Hobbyzüchter neigen besonders häufig zu dieser perversen Entscheidung. Durch Lahmheit geprägte und an den Gliedmaßen erkrankte Stuten werden häufig noch viele Jahre als Gebärmaschinen eingesetzt. Das Produkt der Unvernunft sind die Fohlen. Oft mit minimalen finanziellen Mitteln  bis zu Verkaufsreife aufgezogen werden diese dann an private Personen veräußert. Oft bemerken die neuen Eigentümer erst nach Monaten das orthopädische Defizit der Vierbeiner. Aber dann hat bereits eine emotionale Bindung eingesetzt, so dass der Besitzer alles daran setzen wird, sein Pferd lahm- und schmerzfrei zu erhalten. Dies ist täglich das Arbeitsfeld für Mediziner und Hufexperten.

Historisch belegt: Sandalen für Pferde
Bereits seit 2600 Jahre ist die Problematik der sensiblen Pferdefüße schriftlich überliefert. Schon 500 Jahre vor Kleopatra waren die Pferde der ägyptischen Streitmacht mit Sandalen ausgestattet. Die Römer nutzten etwas später die „Hipposandale“.

Neuere wissenschaftliche Untersuchungen weisen auf einen „genagelten Hufschutz“ bereits 
Links ein alter Dallmer Hufschuh. Rechts eine Nachbildung einer Hipposandale aus Blech und Leder, 2000 Jahre alt.
Links ein alter Dallmer Hufschuh. Rechts eine Nachbildung einer Hipposandale aus Blech und Leder, 2000 Jahre alt.
vor Christus hin. Vermutlich fand dieser den Ursprung in den Steppen der Mongolei. In Deutschland und Europa ist der Hufbeschlag in seiner heutigen Form seit ca. 1000 Jahren bekannt. Die Gebrauchsfähigkeit der Kriegspferde (Kavallerie) war von elementarster Wichtigkeit und entschied über Sieg oder über den Untergang ganzer Völker.

1,2 Millionen Pferde in Deutschland
Bis Ende des zweiten Weltkrieges waren ausgebildete „staatlich anerkannte Hufbeschlagschmiede“ ein fester Bestandteil jeder großen Streitmacht. Nach Ende des Krieges verlor dieser Beruf an Bedeutung. Heute spielt das Pferd keine Rolle in der modernen Kriegsführung. In Westeuropa ist seit den 60er Jahren ein anderer „Gebrauchszweck“ für Pferdes entstanden. Freizeit- und Sportreiter bilden heute mit über 1,2 Millionen Pferden in Deutschland einen gigantischen Breitensport. 

Leider verfügen die meisten Pferdebesitzer nicht über das notwendige Fachwissen, um ein Pferd art- und tierschutzgerecht zu halten. So kommt es häufig zu Fehlinterpretationen und Missverständnissen.

Wie erkenne ich einen guten Hufschmied?
Der gut ausgebildete Hufschmied - staatlich geprüft und amtlich anerkannt - hat nicht nur eine Vielzahl von unterschiedlichen Hufbeschlägen in seinem Angebot, sondern er ist auch ein guter Berater und kennt sich bestens mit Pferden aus. Der gute Hufbearbeiter steht weder mit einer Flasche Bier oder einer Zigarette an einem Pferd. Der gute Hufbeschlagschmied hat immer das Pferdewohl im Blick, ob es um Barhufpflege, Barhuferhaltung oder um orthopädische Beschläge geht. Der gute Hufschmied ist immer ihr freundlicher Ansprechpartner. 
Sollten sie sich bereits Gedanken um eine kompetente Ausbildung zum Hufexperten machen , so wenden sie sich bitte an einen seriösen Ausbildungsbetrieb, wie z.B.: die Hufbeschlaglehschmiede Dortmund, Schwaiganger,Berlin, Gießen, Leipzig, Hannover oder die BESW-Hufakademie. Bei den Absolventen, der genannten Organisationen konnten wir (wir persönlich-Das ist keine offizielle Studie) eine gute Etablierung (Aufgrund der Qualifikation) am Markt beobachten.

Eine Vielzahl von alternativen Hufschutzmethoden, z.B. Kunststoffbeschläge, Aluminiumbeschläge, Hufschuhe und auch verschiedene Klebetechniken hält der gute Hufschmied bereit. Pferdekrankheit wie EMS, PSSM, Cushing, Hufrehe, Hufkrebs, Hufrollenerkrankung, Arthrose, anatomische Defizite, Gangbildanomalien, Räude, um hier nur einige zu nennen, sind ihren Hufschmied bekannt, er kann hier beratend zur Seite stehen.

Drei Original-Vorderhufeisen erkennt man an ihrer Form: Einmal ohne, einmal mit einer und einmal mit zwei Kappen.
Drei Original-Vorderhufeisen erkennt man an ihrer Form: Einmal ohne, einmal mit einer und einmal mit zwei Kappen.
Der gute Hufschmied beginnt immer seine Arbeit zuerst mit einem freundlichen Kundengespräch, hierbei sammelt der Experte wichtige Informationen über das Pferd. Anschließend wird sich der Hufbearbeiter das Pferd in der Bewegung ansehen. Das macht der gute Hufexperte selbstverständlich auch nach der Arbeit am Pferd, zu dieser wichtigen Kontrolle ist er gesetzlich verpflichtet. Verzichtet er darauf, sollten sie ihn 
darauf ansprechen und im Zweifelsfalle den Hufschmied wechseln.

Der gute Hufbeschlagschmied ist kein Extremist und ist von einem "Hufguru" weit entfernt. Ein breites Fachwissen schützt den guten Hufbearbeiter vor dummen Pauschalierungen. Der ausgebildete Hufbeschlagschmied wird folgende Begrifflichkeiten nicht benutzen: "Immer!"  "Niemals!"  "Lebenslang!" "Nur eine richtige Methode!" "Ein Hufeisen immer mit 8 Nägeln aufschlagen!“ „Niemals Kunstoffbeschläge!“ „Immer nur Kunststoffbeschläge!" „Jedes Pferd sollte nur Barhuf laufen!“ So individuell wie jedes Pferd selbst ist, so ist auf die optimale Hufversorgung individuell.
Wenn ein Hufbearbeiter aber nur ein einziges Produkt anbieten kann, z.B. die Barhufpflege, so kann er natürlich keine Alternativen aufzeigen.

Trauen Sie sich, Alternativen auszusprechen. Niemand kann Ihnen verwehren, sich zu informieren. Wehrt Ihr Hufberarbeiter jede Diskussion ab, bitte Sie einen anderen, besseren Hufbearbeiter um Hilfe.

Die Vielzahl der Hufschutzprodukte ist unglaublich!
Die Vielzahl der Hufschutzprodukte ist unglaublich!
Hufbeschlag mit geschlossenen Eisen.
Hufbeschlag mit geschlossenen Eisen.

Eine Vielzahl von Hufschutzprodukten...
Die heutigen handelsüblichen Eisenbeschläge sind sehr breit gefächert. Eine große Zahl verschiedener Hersteller mit unterschiedlichen Hufeisenmodellen machen den Markt für einen Laien unüberschaubar.

Die häufigste Fehlinterpretationen der Hufeisen beziehen sich auf die Hufkappen (Aufzüge). Hierbei enttarnen sich häufig die "Stalldeppen". Stalldeppen sind Pferdebesitzer welche grundsätzlich zu jedem Hufschmied und Tierarzt ihre Sprüche leisten müssen, ohne selbst fundiertes Wissen zu besitzen. Begnügen sie sich nicht mit dem Halbwissen einiger Möchtegernexperten.

Grundsätzlich gilt:
Ein Vorderhufeisen kann keine Kappe, eine Kappe, zwei Kappen oder noch mehr besitzen!
Ein Hinterhufeisen kann keine Kappe, eine Kappe,zwei Kappen oder noch mehr besitzen!

Somit kann ein Pferd auf den Vorder- oder Hinterhufen zweckmäßig mit/ohne Aufzüge, ein oder zwei oder mehr Aufzügen beschlagen sein. Die grundsätzliche Aussage: „Zwei Aufzüge
Beschlag der Vorderhufe mit einem Rolleisen, zwei Zehenkappen und vier Nägeln.
Beschlag der Vorderhufe mit einem Rolleisen,
zwei Zehenkappen und vier Nägeln.
auf einem Vorderhuf sind schadhaft oder gar verboten“ ist falsch bzw. laienhaft. Hören Sie nicht auf die Wichtigtuer, welche durch Halbwissen glänzen, sich aber herausnehmen, die Arbeit kompetenter Hufbeschlagschmiede zu bewerten.
Der moderne Reitsport verlangt viel vom Pferd. Ausdauer, ständige Gebrauchsfähigkeit und sportliche Höchstleistungen. Auch Gewinn orientiertes Denken des Eigentümers verlangt eine Höchstleistung an Handwerkskunst von einem Hufschmied.

In seiner natürlichen Umgebung benötigt ein Pferd keinen Hufbearbeiter. Aber unsere Hauspferde sind schon seit Tausenden von Jahren keine Wildpferde mehr. Unsere Pferde müssen häufig 23 Std. am Tag im eigenen Kot und Urin verbringen, um anschliessend den Reiter auf seinem Rücken zu erdulden. Viele Pferdebesitzer meinen, dies ohne einen Hufschutz durchführen zu müssen, da dies „natürlicher“ sei.  Heute gilt diese Form des „Barhuf-Fetischismus“ als passive Tierquälerei. Sollte ein Pferd von Natur aus gute und kräftige Hufe mitbekommen haben, so ist das wunderbar und erhaltungswürdig! Doch leider können nicht alle Sport- und Freizeitpferde den Wunschgedanken des Besitzers gerecht werden. Das wirklich Traurige ist der Widerspruch: Sehr viele Pferde sind unnötigerweise mit einem Hufschutz ausgestattet und haben hierfür eigentlich keinen Bedarf. Um so mehr Pferde sind aber nicht! mit einem Hufschutz ausgestattet, obwohl Bedarf gegeben ist.

Wie kommt dieses Fehlverhältnis zustande?
Es gibt Pferdebesitzer, wie sie unterschiedlicher in ihrer Betrachtungsweise nicht sein könnten. Die eine Gruppe lässt grundsätzlich beschlagen, egal, ob es Sinn macht oder nicht. Die andere Gruppe lässt einen Hufschutz niemals zu, auch wenn das Pferd an seine begrenzten Barhuffähigkeiten stößt und Schmerzen erleidet. Ein Pferd leidet (leider) still und ist nicht fähig, Schmerzen zu artikulieren. In der „Barhufszene“ hat sich ein regelrechter Kult entwickelt. Die treibenden Kräfte sind oft fanatische und extremistische Hufschutzgegner. Aber auch bei den "klassischen Hufschmieden" gibt es ebensolche Holzköpfe.

Der Beruf des Hufbearbeiters ist eine Wiedergutmachung des Menschen für seine Verbrechen an der fehlerhaften Massenzüchtung und schlechten Haltung von Pferden. Also seien sie bitte selbst so tolerant gegenüber den Bedürfnissen ihres Pferdes, wie sie sich auch eine solche Toleranz von ihren Hufbearbeiter wünschen. Suchen sie die richtige Lösung für ihr Pferd bei sachkundigen Personen. Vermeiden sie Sätze, wie: “Früher in der Natur..." oder  "Damals, als es noch  Mit Natural Balance Shoes können manch lahme Pferde wieder gut laufen.
Mit Natural Balance Shoes können manch lahme Pferde wieder gut laufen.
Wildpferde waren...“. Bitte bedenken sie - sie haben kein Wildpferd, sondern ein Hauspferd im Stall!

Und noch eine kleine Anmerkung zu den Kosten: Der "billige" Hufschmied ist nur deshalb billig, weil er selbst der Überzeugung ist, dass seine Arbeit nicht mehr wert ist. Ein Schmied, der einen kompletten Hufbeschlag für einen Spottpreis abwickelt, unterstreicht damit seine mangelnde Kompetenz und vor allem seine mangelnde Qualifizierung. Er kann nur schnell und billig, aber eben nicht gut! Wenn es um die Lebensqualität ihres Pferdes geht, sollten sie nicht an ein paar Cent im Monat zu Gunsten der fachgerechten Versorgung sparen.
Herzlichst, ihr Markus Raabe  Informationen oder Termine : 0049(0)2583 9199 233

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