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PSSM - und jetzt?

Ein Bericht von Sandra Raabe zum Thema PSSM.
Diese Frage stellen sich Pferdebesitzer in letzter Zeit immer häufiger. Gerade bei Besitzern von Pferden der Westernpferderassen wie Quarter Horse, Paint Horse und Appaloosa, aber auch von kaltblütigen Rassen inkl. der Haflinger, zerplatzt der Traum vom fitten Wunschpferd manchmal bereits in der ersten Trainingsphase - beim Anreiten.
PSSM ist ein Gendefekt. 

Woran erkenne ich die Erkrankung?
Je länger das Training dauert, bzw. wenn die Intensität steigt, zeigen sich plötzlich Symptome wie beim Kreuzverschlag, in schweren Fällen bis zum Festliegen - in diesen Fällen ist der CK-Wert im Blut oft deutlich erhöht.

Aber es gibt weitere Symptome, die oft dieser Krankheit nicht gleich zugeordnet werden. Diese sind unklare, wechselnde Lahmheiten, sägebockartige Haltung, Muskelzittern, starkes Schwitzen, kolikähnliche Symptome, Probleme beim Rückwärtsrichten, und mit länger andauernder Erkrankung, ein häufig symmetrischer Muskelabbau, besonders an Rumpf, Schultern und Oberlinie.

Bei sehr ruhigen „coolen“ Pferden mit leichtem Verlauf kann es aber auch sein, dass diese mit zunehmender Arbeit einfach deutlich „fauler“ und bewegungsunlustig werden. Die Probleme beginnen meist nach 10 - 20 Minuten leichter Arbeit.

Gerade beim ersten Auftreten der Probleme wird wegen der unterschiedlichen Symptome und der unterschiedlichen Schweregrade oft gar nicht an PSSM gedacht und auf andere Krankheiten untersucht und behandelt.
Da PSSM meist in Schüben auftritt, sollte spätestens beim 2. oder 3. Schub an diese Krankheit gedacht werden.


Ein einfacher Test gibt Aufschluss
Das Labor Laboklin bietet kostengünstig und schnell entsprechende Gentests an. Diese können aus Blutproben oder, vom Besitzer selbst durchzuführen, aus Haarproben MIT WURZEL, getestet werden.

Im Idealfall ist das Ergebnis N/N
Das heißt das Pferd ist kein Genträger für PSSM. Es kann nicht erkranken und diese Krankheit auch nicht weiter vererben.

Ist das Ergebnis PSSM/N... 
bedeutet das, dass das Pferd ein mutiertes Gen trägt - es ist Einzelgenträger. Es hat ein hohes Risiko an PSSM zu erkranken und wird diese Mutation zu 50% vererben.

Im schlechtesten Fall ist das Ergebnis PSSM/PSSM
Dieses Pferd trägt zwei Kopien des mutierten Gens und hat ein extrem hohes Risiko an PSSM zu erkranken. Es wird die Mutation an jeden seiner Nachkommen weitergeben.

Pferd RusterDieser einfache Test erfasst den PSSM TYP 1, dies sind etwa 90 % aller Fälle. Sollte dieser Test negativ sein, aber dennoch alle Symptome auf PSSM hinweisen, kann auf PSSM Typ 2 (10 % alle Erkrankungen) per Muskelbiopsie getestet werden.

Um nicht weiter neue Genträger in die Welt zu setzen, sollte man so verantwortungsvoll und konsequent sein und nicht mit Pferden züchten, die PSSM/PSSM oder PSSM/N getestet sind. Nur so kann die Krankheit langfristig zurück gedrängt werden.


Was ist PSSM?
PSSM ist eine Erbkrankheit, die Muskelstoffwechselstörungen hervorruft. Bei dieser degenerativen Störung wird Mehrfachzucker nicht normal verstoffwechselt, sondern in den Muskelzellen gespeichert. Es entstehen amylaseresistente Einschlüsse die die Muskulatur schädigen.

Die Krankheit wird nur vererbt und ist nicht ansteckend. Auch wenn sie nicht heilbar ist, kann eine angepasste Haltung und Fütterung, sowie entsprechendes Training das Pferd normal reitbar erhalten.


Angepasste Fütterung zur Vorsorge
Die wichtigsten Vorsorgemaßnahme ist eine angepasste Fütterung! PSSM-Pferde sollten möglichst kohlenhydratarm, bzw. gänzlich kohlenhydratfrei gefüttert werden. Eine ausreichende Versorgung mit hochwertigem Heu deckt den größten Teil des Futterbedarfs. Heulage wird im Einzelfall vertragen, ist aber eher nicht zu empfehlen.

Auch reagieren einige Pferde auf die Fruktane im Gras. Dies muss jeder Besitzer gut beobachten und evtl. die Weidezeiten verkürzen oder auf dauerhafte Paddockhaltung umstellen.

Wird zusätzliche Energie benötigt, gibt es auf dem Markt inzwischen verschiedene Futtermischung für Pferde, die aus unterschiedlichen Gründen Diät leben müssen. Hier sollten die Inhaltsangaben gut geprüft werden. Fast alle Mischungen sind nur kohlenhydratarm und dieses reicht bei schwer erkrankten Pferden oft nicht aus. 

Hier sollte man auf ausschließlich fetthaltige Nahrung zurückgreifen. Geeignet sind Heucobs, die mit Ölen aufgewertet werden. Sehr gut verträglich sind Sonnenblumenkerne und Leinkuchen. Und auch Reisschalenkleiepellets werden von den meisten Pferden vertragen. Bei fetthaltigen Futtermitteln muss beachtet werden, dass diese sehr viel mehr Energie liefern und eine deutlich geringere Menge benötigt wird, als z.B. beim herkömmlichen Müsli.

APferd Pebblesuch in fast allen Zusatzfuttermitteln und Mineralfuttermitteln sind Kohlenhydrate in Form von z.B. Traubenzucker enthalten! Diese können also alle einen Schub auslösen! Wichtig ist die Fütterung sehr langsam umzustellen, am besten ein Tagebuch zu führen, damit man bei einem neuen Schub diesen evtl. einem unverträglichen Futtermittel zuordnen kann.
Da jedes Pferd anders reagiert, ist eine pauschale Empfehlung nicht möglich. Jeder Besitzer muss mit genauen Beobachtungen und Fingerspitzengefühl die bestmögliche Ernährung für sein Pferd finden.

In schweren Fällen sollte auch auf herkömmliche Leckerchen sowie auf Obst oder Möhren verzichtet werden.

Weiterhin ist die Haltung des Pferdes so anzupassen, dass sie möglichst dauerhafte gleichmäßige Bewegung ermöglicht. Im Idealfall wäre dies also eine Offenstallhaltung. Die Muskulatur ist immer gleichmäßig beansprucht und für ein Training viel besser vorbereitet.

Bei Boxenhaltung sollte das Pferd zumindest über den ganzen Tag auf der Weide oder einem Paddock stehen.

Worauf sollte man im Training achten?
Im Training ist auf ruhige lange Aufwärmphasen und ausreichendes Trockenreiten zu achten.
PSSM-Pferde sollten möglichst täglich trainiert werden. Stehtage bekommen ihnen nicht.

Weiterhin achtet man darauf, das Pferd nicht auskühlen zu lassen. Eine Decke hält die Muskeln warm und besser durchblutet.

Natürlich ist dies erst mal eine Menge Management das nötig ist. Aber es lohnt sich!
Ein so gehaltenes Pferd kann ein - fast- normales Leben führen und meist auch "normal genutzt" werden.

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