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Raabes Hufgeschichten

[Bilder findet Ihr ganz unten auf dieser Seite]


Liebe Freunde, Neugierige und Hufexperten,

in den vergangenen Jahren sind meine Mitarbeiter und Freunde häufig an mich herangetreten, mit der Bitte, doch einen Bericht über die erlebte Dinge und Situationen zu schreiben, die unseren Job als Hufschmied auszeichnen, und diese zu veröffentlichen. Doch leider hatte ich in der Vergangenheit bisher keine Zeit gefunden, mich entspannt hinzusetzen und einen erlebten Tag zu dokumentieren.

Zeitmangel bestimmt meinen Alltag: Dieser beginnt normalerweise um 5.45 Uhr. Gerne möchte ich an dieser Stelle meinen nettesten Kunden erwähnen - der mich normalerweise zu jeder Tag und Nachtzeit stören darf - und dies auch tat, und zwar am vergangenen Ostermontag um 6.00 Uhr morgens. Es sei mir verziehen, dass ich nach ca. 120 Stunden Schlafentzug noch nicht ganz auf Spur war, nach dem ich erst um 3.00 Uhr nachts aus Irland zurückgekehrt war. Täglich klingelt mein Firmenhandy ca. fünfzig bis neunzig Mal am Tag. Oft sind es nicht meine eigenen Kunden, sondern abstruser Weise die Hufkunden von anderen Hufbearbeitern. „Leider kann ich meinen Hufschmied nicht erreichen, deshalb rufe ich Sie an, ich müsste da mal etwas erklärt haben“. Sie glauben nicht, wie häufig ich das höre.

Ebenso oft werden wir über das Internet kontaktiert. Auch hier werden wir häufig um unsere Fachmeinung gebeten. Die Pferdebesitzer sind sich darüber bewusst, dass ich Röntgenbilder oder Digitalfotos auch nach Feierabend, auch gern gegen 24.00 Uhr, ansehen kann. Nach eingehender Begutachtung der Bilder / Fotos bekommt der Hilfesuchende in der Regel eine ehrliche Antwort, z.B. dass der Beschlag verbesserungswürdig ist oder dass der diagnostizierte Hufkrebs überhaupt kein Hufkrebs ist. Auch zum Thema „Hufrollensyndrom“ erhalte ich viel Fragestellungen.

Grundsätzlich können wir nicht jedem Besitzer die erhoffte Antwort liefern und auch nicht jedem Pferd helfen. Aber ich übertreibe sicher nicht, wenn ich behaupte dass 99,5% unserer Kunden sehr zufrieden sind und 0,5% unserer Kunden uns geradezu „vergöttern“. Wobei ich den Ausdruck „Vergöttern“ eigentlich schrecklich finde, weil dieses Wort immer im Zusammenhang mit Fanatismus oder Extremismus steht.

An dieser Stelle möchte ich ein wenig ausholen.Fanatismus laut Wikipedia: Als Fanatismus (von fr: fanatique oder lat. fanaticus; göttlich inspiriert) bezeichnet man im engeren Sinn das Besessensein von einer Idee, Vorstellung oder Überzeugung („ein fanatischer Anhänger einer Ideologie oder einer Gruppierung“),Extremismus laut Wikipedia: Die Attribute „extrem“ und „extremistisch“ sind vom lateinischen Wort extremus abgeleitet, dem Superlativ von „außen“ (exterus) als „das Äußerste“, „das Entfernteste“ oder „das Ärgste“.

Meine lieben Leser, Sie merken schon dass diese Begriffe schrecklich klingen. Aber noch grausamer sind folgende Begriffe:
  • Hufbearbeitungsneurose ( zwanghafter Drang einen Huf bearbeiten zu müssen, ohne das man etwas davon versteht)
  • Selbstgekrönter fanatischer Hufheilprediger (finden Sie auf jedem großen Reiterhof, der kann auch nix, aber hat da mal gehört…)
  • fanatischer extremistisch orientierter Hufheilpraktiker mit Klangschale ( auch ohne seine Klangschale schlimm genug)
  • selbsternannter extremistisch „staatlich gepr. Hufschmied NC“ Was ist das denn jetzt werden Sie sich fragen? Ja das habe ich mich auch gefragt!
Früher war alles einfacher: Da gab es einfach nur einen Hufschmied (seit 1932 heißt das staatlich geprüfter und amtlich anerkannter sowie zugelassener Hufbeschlagschmied). Klingt ganz toll, oder? Das waren früher, insbesondere zu Boney M – Zeiten, die Typen ohne Führerschein, dafür aber mit Kordhut und Zigarre. OK. Früher ist gestern und heute ist ja eigentlich auch schon gestern, aber Übermorgen, das ist hipp!

Somit zurück zum „staatlich geprüften Hufschmied NC“ - was ist das eigentlich??
Deutlich sehen wir, dass es jemand ist der sehr gerne so ein richtiger klassischer Hufschmied wäre, da seine selbst gewählte Berufsbezeichnung ja schon sehr traditionell klingt. Er ist es aber nicht. Warum ist er es nicht? Vielleicht hat er dreimal bei der Aufnahmeprüfung (erfolgt vor Antritt in einer staatlichen Lehrakademie) versagt. Oder vielleicht ein paar Problemchen die Zugangsvorrausetzungen zu erfüllen. Ähnliche Schwierigkeiten können bei dem Versuch des Studierens auf einer Uni beobachtet werden, wenn man kein Abi oder so etwas Ähnliches hat. Vielleicht hatte unser Freund auch einfach keinen Kordhut und auch keine Zigarre, selbst Schuld. Aber er benötigt das ja nicht mehr denn er ist jetzt Hufschmied NC!Wofür steht NC? Sie werden es nicht glauben! Nc steht für Ideenreichtum und Pfiff. Nc steht für „Ich habe es nicht nötig in Deutschland eine Prüfung abzulegen, denn die Ausbildung in Deutschland ist schlecht, nicht zureichend, und die Lehrschmieden und Inspektoren der Bezirksregierung sowie die prüfenden Amts-Veterinäre haben ja keine Ahnung und sind korrupt. ( Meinung der alternativen Hufschamanen)Wo zum Henker hat denn jetzt uns er Freund seine Prüfung zum Hufschmied absolviert?? Ich sage es ihnen endlich:In: Achtung jetzt kommt es--- NC steht für Nicaragua.Warum geht eigentlich ein deutscher Bürger, der nur „Ruhrpott“ als einzige Sprache beherrscht in Ausland um dort ohne Sprachkenntnisse eine jahrelange Ausbildung zu vollenden? Und warum dauern diese hochwertigen Diplome immer nur ein Wochenende?? An dieser Stelle möchte ich alle Pferdebesitzer fragen: „Gehen Sie auch zu einem deutschen Zahnarzt der sein Studium in Nicaragua oder in Kashittistan gemacht hat (zumindest angeblich) und in Deutschland nun schwarzarbeitet? Wohl kaum.Eigentlich wollte ich hier auf die gekauften Schmiedediplome aus unseren Nachbarstaaten auch nicht zu sprechen kommen, bin es aber jetzt doch.Viele Berufsbezeichnungen sind nicht geschützt wie z.B. der Betriebswirt, Therapeut oder der Hufdesigner, so kann sich jeder nennen der möchte- auch staatlich geprüfter Hufschmied NC oder was es mittlerweile auch sonst so noch alles für Hinweise auf selbst erfundene Berufsbezeichnungen gibt. Sollte ihr Hufexperte keine gültige Zulassung (ein entspr. Ausweis vom zuständigen Kreisveterinär oder früher die Bezirksregierung) haben so fragen Sie doch einfach mal nach dem WARUM? Die Antworten können Sie mir gerne mailen! PS Ich weiß auch schon jetzt wer mir alles Antworten wird! Es sind die Rechtsverdreher der Hufheilprediger und diese NC Schmiede.

Ob Sie es glauben oder nicht ich habe immer noch nicht geschrieben worum es mir heute eigentlich geht. Es geht um zwei Freundinnen die zusammen drei Pferde irgendwo bei Haltern in einen Pensionsstall untergestellt haben. Grundsätzlich sieht auf dem ersten Blick eigentlich alles normal aus. Ein bisschen unaufgeräumt und schmuddelig aber nett soweit denn die insgesamt 5 Pensionspferde haben täglichen Auslauf. Meine Kollegin Frau Tiffany Hild und ich wollten eigentlich nicht bis hier hin fahren da wir keine neuen Kunden annehmen und Haltern auch zu weit für uns ist. Aber schon im Vorfeld haben wir aus den vielen telefonischen Hilferufen entnehmen dürfen das da etwas Spannendes auf uns warten wird. Wir sollten nämlich an einem bestimmten Tag auftauchen da dann die Stallbetreiberin und ein Grossteil ihrer Jünger nicht anwesend sein würden. Wir hatten folgende Informationen:
drei stocklahme junge Reitponys - zwei Eigentümerinnen – unser Erscheinen würde geheim stattfinden und eigentlich Achtung jetzt kommt’s!! Wenn wir ertappt werden sollten wir einfach sagen: „Ups, da sind wir wohl am falschen Stall gelandet, Sorry!“Wir wussten also dass die Einstaller (unsere Auftraggeber) tierische Angst vor der Stallbetreiberin hatten. Was wir nicht wussten war dass dieser Stall einer Jüngerin (alternde Jüngerin mit langen grauen fettigen Haaren und Jesuslatschen, hat laut eigener Homepage maßgeblich an der Erfindung der Homoöphatie mit beigewirkt) gehörte. Selbstverständlich beharrte diese von Erdstrahlen verfolgte Gestalt darauf dass nur von ihrem Großmeister persönlich ausgesuchte „Hufheilprediger“ oder wie das heißt an den Einstallerpferdchen Hand anlegen dürfte. Der Großmeister selbst hatte seinerzeit seiner Jüngerin (alias Stallbetreiberin) versprochen eines Tages im Kreis der Hohenpriesterinen aufsteigen zu dürfen wenn sie stets den heiligen Stallboden vor den Hufschmiededämonen beschützen würde. An dieser Stelle muss ich für die nicht esoterisch Bewanderten Leute folgendes erklären: Wir Hufschmied, bzw auch Hufbeschlagschmiede sind eigentlich bösartige Dämonen. Der hundsgemeine Hufschmied fürchtet das Sonnenlicht und hält sich stets in abgedunkelten Stallgassen auf. Hierbei quält der Hufschmied in einer art Inquisitions-Ritual ein Pferd mir glühenden Eisen. Bei lebendigem Leib werden anschließend seltsame Nägel in die Hufe des Rosses geschlagen. Durch seltsame Zauberformeln und Beschwörungen gelingt es aber dennoch den staatlich geprüften Hufbeschlagdämonen nun das Pferd trotz seiner massiven Folterpeinigungen zu einen erstaunlichen positiven Gangbild zu verhelfen.Allerdings haben die Hufheilprediger unser düsteres Geheimnis längst erkannt. Wir Schmiede, Hufschmiede, Hufbeschlagschmiede und die Huftechniker, ja wir alle sind ertappt und nun müssen wir aussterben. Unser schmieriges Geschäft, von Geldgier und Erfolgsgeilheit getrieben, ist nun der Verdammnis bestimmt. Denn Hufheilprediger haben unser Geheimnis entlockt. War es jemand aus unseren eigenen Reihen? oder war es nach 1200 Jahren unserer Herrschaft über Feuer und Stahl, über Ross und Reiter, über Pflugschare und Schlachtfeld, über Ritter und Sieg, wirklich einer neuen fremden Macht gelungen uns zu besiegen. Ja, so ist es. Die Hufheilprediger (übrigens noch fataler fürs Pferd als der NC Schmied) haben entdeckt das der Hufbeschlag das „Leben“ aus den Huf verdrängt. Deshalb ist es die höchste Aufgabe eines Hufheilpredigers sämtliche Hufbeschläge zu entfernen. Anschließend wird der Pferdebesitzer in einem speziellen Ritual (meistens haben diese auch lange fettige graue Haare und Damenbart) auf die bevorstehende Wiedereinführung in das neue Hufleben vorbereitet. Nachdem der Pferdebesitzer nun auch die erweiterte Bewusstseinsebene erfasst hat um zu Verstehen das sein Pferd nun glücklich und lahm sein wird. In einen kleinen Akt der Verstümmelung werden nun die Beschläge entfernt und die Huftrachten ebenso. Anschließend wird die Hufsohle entfernt und die Huflederhäute werden freigelegt. Jetzt wo jeder Schritt ein einziges Folterwerk ist kann das Pferd nun, im Zentrum seiner Schmerzfindung, sein inneres Glücksgefühl finden. So übrigens auch in unserem Fall. Zwei von den drei Ponys waren früher einmal Beschlagen. Unsere neuen Kundinnen erzählten uns sogar von Ausritten bei Sonnenschein und früher waren die Pferde sogar einmal Lahmfrei, dass sei aber lange her, sagte man uns. Neben schrecklichen Zuständen der Hufe hatten wir es übrigens auch mit einem starken Pilzbefall zu tun. An diesem Stall herrschten folgende Regeln:
  • niemals einen studierten Tierarzt ans Pferd lassen, niemals
  • Pferde dürfen nicht geimpft werden- Hufschmiede haben Hofverbot
  • keine Antibiotika, Wundsalben, Schmerzmittel, Entzündungshemmer
  • keine Entwurmung durch klassische Wurmkuren.
Erlaubt waren:
  • Die Stallhohepriesterin sowie den Hufheilpapst jederzeit ( endgeldlich) um spirituellen Beistand bitten
  • Die Hufe dürfen nur von einem selbsternannten Hufheiler oder Heilorthopäden bearbeitet werden
  • Die medizinische Versorgung darf nur von einer, von der Stallbetreiberin ausgesuchten Naturkundeschamanin, durchgeführt werden.
Das erklärte auch das trübe Erscheinungsbild der Pferde, seit zwei Jahren nicht Entwurmt, total verpilzt und Schmerzen ohne Ende in den Füßen.Das war das traurige Ergebnis von fanatischen Ökoweibern die sich in ihrer esoterischen und ganzheitlichen Welt aufhalten. Es ist ja auch kein Problem wenn Menschen das für sich selbst entscheiden. Jedoch wenn man anderen Lebewesen, insbesondere Schutzbefohlene Tiere der modernen Medizin und ärztliche Hilfe verweigert, so wie einen ausgebildeten Hufbearbeiter verbietet, dem gehört das Tierhalteverbot ausgesprochen. Um diese kleine Geschichte noch heute Abend zum Abschluss zu bringen, möchte ich dass Sie wissen, dass die Pferde samt Besitzer noch heute den Stall gewechselt haben. Pferd und Besitzer rechtzeitig rehabilitiert!

Herzlichst, Ihr Markus Raabe (staatlich anerkannter Hufbeschlagschmied DE)

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