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Hufabszess

Der Hufabszess ist eine Eiteransammlung in der Lederhaut. Er entsteht aus meist kleinen infektiösen Lederhautentzündungen. Es müssen also Bakterien im Spiel sein. Sind nur oberflächliche Teile der Lederhaut betroffen, ist der Eiter meist dünnflüssig und durch Einschmelzen pigmentierter Zellen eventuell schwarz gefärbt. Bei Beteiligung tieferer Schichten ist das Sekret meist dickflüssiger und gelber. Je älter der Abszess ist, desto mehr geht die Farbe des Eiters ins bräunliche.
Entstehung:
  • Eindringen von Bakterien durch kleine Hornrisse und -Spalten
  • Infizierte Lederhautverletzungen wie Nageltritt, Kronentritt, fälschlich geschnittene Steingallen.
  • Eventuell auch Einschwemmung von Bakterien mit dem Blut.


Es ist also klar, dass schlechte Hornqualität Hufabszesse begünstigt. Diese wiederum ist abhängig von
  • Jahreszeit (schlechter im und nach dem Haarwechsel)
  • Veranlagung
  • Fütterung (Vitamine!)
  • Haltung und Pflege (Bewegung, Einstreu, Hufpflege)
Symptome:
• Lahmheit:
Mittel- bis hochgradig. Setzt eigenartigerweise fast immer ganz plötzlich ein. Auffußung je nach Lage des Abszesses verändert.
Die Lahmheit kann auch nur geringgradig sein. Tiefliegende Abszesse schmerzen eventuell erst nach dem Ausschneiden, wenn sie näher an der Oberfläche sind. Da das Pferd aber erst nach dem Beschlagen vorgetrabt wird, kann der Hufabszess mit einer Vernagelung verwechselt werden.

• Druckschmerz - Zangenprobe positiv
Leider auch nicht immer! Oft erst nach Abnehmen des Eisens, deshalb ist diese Entscheidung bei einer Lahmheit oft schwer zu treffen. Da die Zangenprobe von den Druckverhältnissen im Huf abhängig ist, ändert sie sich teilweise mit dem Schneiden bei der Abszessuche. Es muss also ständig vorsichtig nachgeprüft werden. Dies hat außerdem den Vorteil, dass man vielleicht mit der Zange etwas Eiter herausdrückt und so den Abszess besser findet. Manchmal erreicht man dies auch, wenn man das Pferd mit dem erkrankten Huf treten lässt (falls möglich, den gegenseitigen Huf kurz aufheben).

• Wärme
Auch dieses Symptom kann fehlen, wenn zum Zeitpunkt der Abszessbildung die eigentliche Entzündung schon abgeklungen ist. Das Pferd geht meist erst bei Druckanstieg durch Eiterbildung lahm!

• Pulsation der Fußarterie
Fast immer vorhanden, aber leider auch bei allen anderen Entzündungsprozessen im Huf.

• Schwellungen
Manchmal bis übers Fesselgelenk. Gemeinerweise können sie das einzige Symptom sein, das Pferd geht also auch (noch) nicht lahm.
Behandlung:
Bei Verdacht auf H. muss das Eisen abgenommen und der Abszess mit der Zange gesucht werden. Der Abszess wird aufgeschnitten, wobei das Loch innen nicht zu groß sein darf, damit die Lederhaut nicht vorfällt. Nach außen muss das Loch trichterförmig weiter werden, damit sich der Kanal nicht wieder schließt.

Dann kommt für zwei Tage ein Angussverband mit Rivanol o.ä. drauf. Es folgen, wenn nicht noch mal nachgeschnitten werden muss, trockene Verbände, bis die Lederhautreizung abgeklungen, die Wunde also trocken ist, und das Pferd nicht mehr lahmt.

Nach dem Abheilen des Abszesses muss ein glatter Anschluss zwischen der Huflederhaut und dem Hornrand des Loches hergestellt werden, da sich sonst leicht eine doppelte Sohle bilden kann.

Manche Pferde gehen erst nach Beschlag wieder völlig gerade. Ebenso kommt es vor, dass die Lederhaut noch längere Zeit etwas Feuchtigkeit absondert. Deshalb darf das Loch auch nach der Heilung nie zugestopft werden! Ist das Sekret klar und das Pferd gerade, kann man es trotzdem wieder anreiten.

Da das neue Horn zunächst sehr empfindlich ist, sollte das Pferd für eine Beschlagperiode eine stoßdämpfende Einlage erhalten. Bei jedem Hufabszess ist die Frage nach dem Tetanusschutz wichtig!